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Kreuzbandriss beim Hund

Ein Kreuzbandriss beim Hund ist nichts seltenes. Wird er nicht rechtzeitig erkannnt und fachgerecht versorgt, wird das Kniegelenk dauerhaft geschädigt und die Beweglichkeit des Hundes stark eingeschränkt.

Ein Kreuszbandriss sollte auf alle Fälle unbedingt operiert werden. Die Methode der TTA (Tibial Tuberosity Advancement), gehört zu den aktuell am besten entwickelten und damit erfolgreichsten Operationstechniken für einen Kreuzbandriss.  

In der Kleintierklinik am Hochberg operiert Dr. med. vet. Micheala Messmer (DECVS) mit dieser Technik unsere vierbeinigen Patienten. Michaela Messmer hat diese Methode, die aus der Humanmedizin entlehnt wurde, bei ihren veterinärmedizinischen Ursprungsvätern, den Tierärzten PM. Montavon, DM. Damur DM und S. Tepic 1, an der Universität Zürich erlernt und praktiziert. Als Pioneer der Methode gilt der Tierarzt B. Slocum, der das Operationsprinzip bereits 1983 aus der Humanmedizin für Hunde adaptiert hat.

Symptome

Bei einem vollständigen oder teilweisen Kreuzbandriss am Kniegelenk lahmt der Hund plötzlich und zieht evtl. das Hinterbein hoch, um es zu entlasten. Oft verschwindet die akut auftretende Lahmheit nach einiger Zeit wieder. In Folge zeigt der Hund wiederkehrend Symptome einer Lahmheit unterschiedlichen Schweregrads. Oft ist das Kniegelenk durch einen Erguss von Gelenksflüssigkeit (Synovia) angeschwollen. Der Tierarzt stellt ein „Schubladenphänomen“ fest, bei dem sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel auf nicht physiologische Weise aufgrund der verringerten Kniestabilität verschieben lässt. Auch die Innendrehung des Unterschenkels ist beeinträchtigt.

Ursachen

Das Kniegelenk ist das wichtigste Gelenk des Hundes, um sich kräftig und effizient fortzubewegen. Entsprechend hoch sind die Kräfte, die an diesem Gelenk wirken und die Bänder, Sehnen, Knorpel und Muskeln stark beanspruchen. Ein Riss des vorderen Kreuzbandes ist daher keine Seltenheit. Viele Hunde besitzen außerdem eine erblich bedingte Veranlagung zu anatomischen Fehlstellungen, die durch äußere Faktoren, z.B. Übergewicht, begünstigt werden können.

Am häufigsten betroffen von Rupturen ist das vordere Kreuzband (Ligamentum cruciate craniale), die oft in Kombination mit Rupturen des hinteren Kreuzbandes (Ligamentum cruciate caudale) auftreten. Das hintere Kreuzband allein reißt nur sehr selten.
Beim Hund ist ein Kreuzbandriss in den meisten Fällen keine akute Verletzung im eigentlichen Sinn, die durch einen Unfall (Sprung, Sturz) entsteht, sondern ein Kreuzbandriss beim Hund ist das Ergebnis einer bereits vorliegenden dauerhaften und fortschreitenden Schädigung der Bänder im  Kniegelenk. Die Zugfestigkeit der Bänder nimmt kontinuierlich durch z.B. zunehmendes Alter, steigendes Körpergewicht, mangelnde oder übermäßige, unangepasste Bewegung, die zur Überlastung führt. Große Rasse sind tendenziell stärker betroffen als kleinere und es lässt sich ein genetischer Einfluss feststellen.
Wenn ein Kreuzbandriss nicht behandelt wird, ist die Gefahr groß, dass sich in den betroffenen Gelenken eine Kniegelenks-Arthritis oder eine chronische Osteoarthrose entwickelt, die den Hund starke Schmerzen bereitet und nur schwer zu therapieren ist. Die Arthritis geht mit einem Verlust an Knorpelmasse zwischen Kniescheibe (Patella), Oberschenkelknochen (Femur) und Schienbein (Tibia) einher. Verletzungen an den Menisken sind die Folge.
Eine frühzeitige Versorgung von Kreuzbandrissen mindert die Gefahr von einer nachfolgenden Meniskusverletzung.

Therapie

Bei einem Kreuzbandriss ist eine operative Therapie meist unumgänglich. Dazu gibt es verschiedene Operationstechniken. Man unterscheidet zwischen Techniken, bei denen das gerissene ein künstliches Band durch ein künstliches ersetzt wird von den Techniken, die auf eine Bandplastik verzichten und stattdessen Osteosynthese-Methoden anwenden. Dazu zählen die TTA und die TPLO beim Hund.
TTA und TPLO sind zwei technisch sehr anspruchsvolle Methoden der Veterinär-Chirurgie, die aus humanmedizinischen Operationstechniken entwickelt wurden. Beide Methoden werden seid vielen Jahren erfolgreich eingesetzt. Beide Techniken haben jeweils Vor- und Nachteile und verlangen vom Operateur große Sachkenntnis und spezielle operative Erfahrung.

TTA (Tibial Tuberosial Advancement)

Bei der TTA wird operativ die Tuberositas Tibiae, eine kleine Knochenerhebung am Kopf des Schienbeines (Tibia) durch ein Implantat künstlich um ein genau definiertes Maß erhöht. Durch diese anatomische Korrektur werden die Mechanik und Funktionsbedingungen des Kniegelenkes positiv verändert. Anders als bei der TPLO wird das Schienbein nicht durchtrennt, sondern bleibt in seiner Gesamtheit als funktioneller Knochen mit seiner Gewicht tragenden Achse erhalten.


TPLO (Tibial Plateau Leveling Osteotomie)

Bei der Tibial Plateau Leveling Osteotomy (TPLO) wird die Anatomie und damit die Funktion und Kräfteverhältnisse des Kniegelenks verändert, indem der Winkel zwischen der Fläche des Schienbeinkopf (Tibial Plateau) zur senkrechten Achse des Knochenschafts der Tibia eine Korrektur erfährt. Dazu wird der Kopf der Tibia operativ abgetrennt und in einem neuen, mehr senkrechtem Winkel am Tibia-Schaft wieder befestigt.

Prophylaxe

Bereits beim Welpen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen einhalten, um eine Veranlagung zu Fehlstellungen im Körperbau rechtzeitig zu erkennen. Durch eine gezielte Fütterung und ein angepasstes Bewegungsmanagement lässt sich der Entwicklung von Schäden vorbeugen.

1Advancement of the tibial tuberosity for the treatment of cranial cruciate deficient canine stifle. Abstracts 1st World Orthopaedic Veterinary Conference; Munich 2002:152.